dystopia

Gebaut in den 70ern als utopische „Stadt in der Stadt“ im Brutalismus Stil ist das Ihme-Zentrum in Hannover-Linden heute nach dem Niedergang der Ladenstraße und mehreren Inves- titionsfehlschlägen eine düstere Bauruine. Hans J. (63) kümmert sich seit Jahren jeden Tag in den frühen Morgenstunden um
die Abfuhr des Mülls der verbliebenen 1800 Mieter, die ihre Abfälle über ein ausgeklügeltes Schachtssystem in die Tiefe des über 1,5km langen Komplexes entsorgen.

Nur sich selbst verantwortlich erledigt Hans seine Arbeit in den Katakomben nach einem eingespielten Plan und mit gewissem Stolz. Immer wieder findet er dabei Pfandflaschen, deren Wert er nach Eintausch in eine Kasette in seiner Stammkneipe einzahlt.

Die Sperrmüllablage ist sein „Ort der Son-derbarkeit des Kapitalismus“, in dem er gele- gentlich funktionierende Flachbildfernseher, Kameras, Computer und Handys findet. Nach Schichtende um 12 testet er diese in seiner kleinen ihm zur Verfügung gestellten Wohnung im 10. Stock, deren gesamtes Mobiliär ein Sammelsorium des Weggeworfenen ist.

Mit Verkäufen von wieder instand gesetzten Geräten bemüht er sich die verbleibenden Schul- den aus vorheriger Ehe abzubezahlen und hofft mit seiner neuen Frau bald in ihre Heimat nach Marokko zu fliegen.

  • year / 2013
  • location / hannover, germany

cinematography

fiction

non-fiction

photography

photojournalism